Produktive Gewinnverwendung I

Gewinnanteil verwendet für Investitionen in Anlagevermögen × 100: Gesamtgewinn
Die Aussage dieser Kennzahl ist augenscheinlich: Wie viel des erwirtschafteten Gewinns wird dazu verwendet, in Anlagevermögen zu investieren. Wer hier noch genauer in die Analyse einsteigen will – und dies sollte man tun –, der differenziert auch das Anlagevermögen. Wurde in Grundstücke und Gebäude investiert? In Beteiligungen, in Firmenkäufe, in Maschinen, in Betriebs- und Geschäftsausstattung, in den Fuhrpark? Wenn ja, mussten bestimmte Investitionen danach außerplanmäßig abgeschrieben werden? Mit der produktiven Gewinnverwendung treffen Sie natürlich implizit auch Aussagen zu Ihrer eigenen Zukunftseinschätzung und zum Finanzierungsgebaren im Unternehmen. Die Investitionen im Anlagevermögen, die aus eigenen Gewinnen finanziert werden, kann durch eine einfache „Gegenrechnung“ ermittelt werden: Wurde für die Investition Fremdkapital aufgenommen? Wurden Einlagen geleistet oder wurden Eigenkapital ähnliche Gesellschafterdarlehen gegeben, um die Investition zu finanzieren? Falls diese Fragen mit Nein beantwortet wurden, müssen die Investitionen aus Gewinnen finanziert worden sein. Interessant für einen Unternehmer ist hier natürlich auch, ob die Investitionen aus laufenden Gewinnen finanziert werden konnten oder aus solchen Gewinnen, die in Rücklagen „geparkt“ wurden, finanziert wurden. Hier sind auch steuerfreie Rücklagen mit in die Betrachtung einzubeziehen. Der Gesamtgewinn ist bei Kapitalgesellschaften direkt aus der Bilanz ablesbar. Bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen wird der Gewinn ermittelt durch Vergleich der Vorjahreswerte bei der Position Eigenkapital mit deren aktuellem Wert. Der Wert dieser Kennzahl verschlechtert sich, wenn
  • sich der Gesamtgewinn mindert
  • die Entnahmen oder Ausschüttungen sich erhöhen
  • sich bei Kapitalgesellschaften die Gehälter der Gesellschafter-Geschäftsführer erhöhen. Diese gehören zwar streng genommen nicht zum Gewinn, weil sie als Personalaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung gebucht werden, aus wirtschaftlicher Sicht sollten sie hier aber zum Gewinn dazu gerechnet werden.
  • der Fremdkapitalzins niedrig ist und sich deshalb eine (teure, weil aus versteuertem Einkommen geleistete) Eigenkapitalfinanzierung nicht lohnt.
Ihre Gegenmaßnahmen, um die Kennzahl zu verbessern
  • Gewinnsteigerung
  • Begrenzung der Entnahmen oder Ausschüttungen.
  • Bei Kapitalgesellschaften ist auch die Begrenzung der Entgelte für Gesellschafter-Geschäftsführer in Betracht zu ziehen.
Sinnvoll erscheint es, die Aussage dieser Kennzahl über die Eigenkapitalquote und Vermögensänderungen (Passiv-Tausch) zu verifizieren.nn

Berechnung

Formel: (Investitionen in Anlagevermögen + F&E-Aufwand) × 100 ÷ Jahresüberschuss

Einheit: Prozent

Interpretation & Bewertung

Produktive Gewinnverwendung I misst den Anteil des Gewinns, der in substanzerhaltende und wachstumsfördernde Investitionen fließt. Hierzu zählen Sachinvestitionen, Technologieinvestitionen und Forschung und Entwicklung. Ein hoher Anteil sichert langfristige Wettbewerbsfähigkeit, kann aber kurzfristig die Ausschüttungsfähigkeit einschränken.

Praxisbeispiel

Von 800.000 € Jahresüberschuss fließen 320.000 € in neue BI-Infrastruktur und 80.000 € in Produktentwicklung. Produktive Gewinnverwendung I: 50 %. Der Rest wird als Rücklage oder Ausschüttung verwendet.

Benchmarks

Wachstumsunternehmen: 40–70 % produktive Verwendung. Reife Unternehmen: 20–40 %. Unter 20 % deutet auf Substanzverzehr hin.

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